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05 12
Das Federgeistchen
Manchmal im Leben bekommt man etwas geschenkt. Etwas kleines, besonderes. Ich z.B. als Schulkind in der folgenden Geschichte.

Herr Striepens, der Direktor meiner kleinen, einzügigen Grundschule, hatte im Schultreppenhaus in einem alten hölzernen Vitrinenschrank eine Sammlung von Tierpräparaten ausgestellt. Ganz am Rand, man musste sich in den Winkel zwischen Vitrine und Geländer zwängen, saß dort in einem kleinen Glaskasten ein geisterhaftes, unbekanntes Tier, ein Insekt, etwa von der Form eines Schmetterlings, aber ganz weiß, und anstelle von Schmetterlingsflügeln hatte es lange flusige Federn. Ein "Federgeistchen".

Bild: Wikipedia KLICK
Dies merkwürdige Tier gefiel mir außerdordentlich, so sonderbar und geheimnisvoll wirkte es - und dann dieser Name. Federgeistchen. Einfach schön.

Wann immer ich ein Insekten-Bestimmungsbuch in die Hände bekam, schlug ich sofort nach, ob denn auch das Federgeistchen darin sei. Meistens fand ich es auch, denn es ist ein in Europa eigentlich recht weit verbreitetes Tier und gar nicht mal selten. So gesehen gar nichts besonderes. Aber hier, wo ich lebte, mitten im Ruhrgebiet nämlich, rechnete ich mir geringe Chancen aus, jemals eines lebend zu Gesicht zu bekommen.

Als der Pott noch aus Tausend Schloten und Schächten rauchte und qualmte, muss es noch wesentlich drastischer gewesen sein, aber auch zu meiner Zeit, den 80er Jahren, war die städtische Fauna noch recht übersichtlich. Die Insekten meiner Kindheit waren: Fliegen, Mücken, Wespen, Marienkäfer und eine einzige Schmetterlingsart. Ich vermute es war der Kohlweißling, jedenfalls war ein Schmetterling für uns Kinder generell etwas kleines, weißes, vorbeiflatterndes. Viel mehr war eigentlich nicht. Was man uns in der Schule, als die "Tiere unserer Heimat" vorstellte, kannte ich sämtlich nur von Fotos. Das Grundgefühl war: irgendwo da draußen lebten all diese Maikäfer, Bockkäfer, Tagpfauenaugen und vielfarbigen Raupen - aber hier in der Stadt gehörten sie nicht dazu, waren einfach nicht da. Von all den vielen Vogelarten, Wald- und Wassertieren mal ganz zu schweigen. Oder von einem Federgeistchen ...

Und dann,
ein paar Jahre später,
kam ich von der Schule nach Hause,
und da saß ein Federgeistchen direkt an unserer Eingangstür.

Es war geradezu unglaublich. Dieses Tier, das ich schon immer mal lebendig hatte sehen wollen, war offenbar eigens für mich herbeigeflattert - nein: herbeigefedert - hatte die Uhrzeit abgepasst und sich rechts, ein Stück oberhalb des Türschlosses, hingehockt, so dass ich Heimkehrender es mit absoluter Sicherheit entdecken musste. Toll.

Nach einem Moment des Verwunderns ... flitze ich nach oben und holte meine Kamera. Ein Foto musste gemacht werden. Hier ist es:



Ähm, die starke Unschärfe rührt daher, dass ich damals nur so eine kleine Urlaubsknipse besaß, die für den Nahbereich absolut nicht ausgelegt war. Aber was soll's, das Foto ist echt!

Danach habe ich das Federgeistchen vorsichtig hinter's Haus auf den Hof befördert, wo es Wiese und Büsche gab, auf die es sich setzen konnte. Ob es dort noch geblieben ist oder sofort weiterzog, weiß ich nicht.

Tja, so habe ich also mein Federgeistchen gesehen. Bis heute übrigens das einzige. Klar, solch magische Momente, werden jedem nur einmal zugeteilt.

Hinzuzufügen wäre noch, dass sich die Situation der Stadt-Fauna hier im Ruhrgebiet gut 20 Jahre später deutlich gebessert hat. Die heutigen Kinder haben durchaus die Chance Tagpfauenauge, Igel, Specht und Fuchs in Persona zu begegnen.







 
 
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< Y > | < X >


Eine Portraitzeichnung im Besitz Sammlung Albertina in Wien.
Künstler: unbekannt! Dargestellte Person: unbekannt!

Tja, sowas gibt's in der Kunstwissenschaft öfter mal.

In seinem Buch "Porträts der Renaissance - Hintergründe und Schicksale" aus dem Jahre 2011 "enträtselt" der Kunsthistoriker Christoph Wilhelmi dieses und viele andere "unbekannte" Portraits, und zwar mit oft detektivischer Hineinarbeitung in kleinste Details, gestützt von einem für den Laien erstaunlichen Expertenwissen um Symbolik, Gepflogenheiten, Familienlinien und Personagen der Adelsleut im Italien des 15. Jahrhunderts.

Den oben abgebildeten Jüngling identifiziert Wilhelmi durch Vergleich mit anderen Portraits als Francesco II. Gonzaga, einen Spross der italienischen Fürstenfamilie Gonzaga.

Und als ausführenden Künstler benennt er Bartolomeo Veneto, einen damals in der Oberschicht sehr gefragten Portraitisten, der es verstand in seinen oft exquisiten Malereien die Persönlichkeit des Dargestellten durch eine auf den heutigen Betrachter geheimnisvoll wirkende Symbolik einzubringen und zu "verschlüsseln". Nichts scheint da dem Zufall überlassen, Kleidung, Haltung, Accessoires, gestalterische Beigaben und besonders oft sogenannte Impresen, kleine Medaillons mit einem Sinnbild, erzählen von Status, Lebensweg, Ausbildung, religiöser Prägung oder sogar persönlichen Interessen der abgebildeten Person.

Bei diesem Beispiel fallen natürlich sofort die großen schwarzen Zeichen am Barett des Jünglings auf, die ihm einen, wie ich finde, sehr geheimnisvollen Nimbus verleihen. Hierzu weiß Wilhelmi, dass die italienische Oberschicht der damaligen Zeit gerade den antiken Philosophen Pythagoras wiederenteckte und dessen Schriften bei den Intelektuellen hoch im Kurs standen. Bisweilen jedoch auch das, was man dafür hielt, so z.B. die "Symbola Pythagorae", die heute als Pseudo-Pythagoras bezeichnet werden, da sie wohl zum größten Teil nicht authentisch sind.

In diesem Zusammenhang jedoch findet sich der Buchstabe Y als Symbol für eine "Weggabelung", einen "Scheideweg" im Leben des Menschen, einen Punkt also, an dem er sich für eine Richtung entscheiden muss. Das X steht dagegen für ein noch nicht identifiziertes Ideal, das der Symbolträger noch nicht preisgeben will. Die Schlange ist vielleicht die des Äskulap und stünde dann für ein medizinisches Interesse, oder es handelt sich um ein Symbol für Klugheit.

Der Abgebildete fühlte sich wohl der Denkschule des Pythagoras nahe und wollte mit diesem Zeichen-Rätsel an seinem Hut eine persönliche Botschaft von sich und seiner Gedankenwelt geben. Dies funktioniert über die Jahrhunderte hinweg.







 
 
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