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Et Nødskudd

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Ein Gemälde des norwegischen Malers Christian Krogh aus dem Jahre 1887.


Seit ich dieses Bild vor ein paar Jahren zum ersten Mal in einem Buch über die "Maler des Nordens" sah, hat es mich auf eine spezielle Art und Weise angesprochen.

Für ein Ölgemälde ist es ein ungewöhnliches Motiv. Man fragt sich, was denn da eigentlich zu sehen ist. Ein Mann im Wind (für mich ist es ein junger Mann). Er hält sich mit der rechten Hand an einem Türrahmen fest. Man ahnt die leicht schwingende Bewegung dieser spielerischen Haltung und wie sein linker Arm durch die Luft fährt. Er blickt um eine Ecke herum ... ja, wohin? Auf etwas, das wir nicht sehen können. Ist es die weite leere Landschaft, wie sie ja auch im linken Bildteil daliegt? Oder ist da mehr? Und ist da im Hintergrund eigentlich das Meer zu sehen? Oder nicht?

Ich muss dazusagen, dass dieses Bild in meinem Buch am unteren Rand beschnitten war. Es hörte knapp unter den Schuhen des Mannes einfach auf. Das merkte ich aber erst, als ich im Netz die hier eingestellte Version fand. Zuvor hatte ich oft gedacht, das "Haus" könnte der letzte Wagen eines Zuges sein und der junge Mann ein Zugbegleiter, der während der Fahrt die Nase in den Wind hält. Nun sehe ich Steine unterhalb der Türschwelle. Das Haus steht also fest. Was relativ ist, scheint es sich doch auf irgendeine Art im Wind zu biegen, genauso wie der Mann auf der Schwelle.

Was ich ebenfalls neu herausfand - das Bild hat auch einen Titel: "Et Nødskudd", zu deutsch: "Ein Notschuss".

Nun war ich wirklich verwirrt. Ein Schuss? In Not? Wer schießt? Ich kann keine Waffe entdecken. Der Mann wird doch wohl nicht gerade angeschossen???

Weiteres Nachforschen im Netz förderte sofort weitere Bilder mit diesem Titel zutage, ebenfalls aus dem skandinavischen Raum. Sie zeigen z.B. Leute, die aufspringen und aus dem Fenster blicken: KLICK
Hier noch eine andere Version: KLICK
Aus weiteren damit verknüpften Suchergebnissen wurde auch deutlich, dass es sich um ein Motiv mit Bezug zur Seefahrt handeln musste.

Und schließlich fand ich noch ein weiteres Gemälde von Christian Krogh selbst, mit dem gleichen Titel und dem gleichen Thema, nur in anderer, deutlich weitergehender Ausführung:



Und nun wird endlich klar, worum es hier geht und was der Notschuss bedeutet. Ein Schiff, das vor der Küste in Seenot geraten ist, hat einen Signalschuss abgegeben. Seeleute eilen ihm am Ufer zu Hilfe. Der Mann an der Türschwelle ist diesmal eindeutig ein alter Mann, vermutlich bleibt er deshalb am Haus zurück. In den Wind gehängt betrachtet er von ferne das drohende Unheil.


Werfe ich nun einen Blick zurück auf das erste Bild, kann ich es unter anderen Vorzeichen betrachten. Natürlich hat es sich verändert, es hat eine Geschichte bekommen.

Was aber nicht bedeutet, dass mein damaliges "Bild" dieses Bildes deshalb verschwunden wäre. Nein, es existiert ebenfalls weiter, und ich kann mir meinen ursprünglichen Eindruck wieder in mir wachrufen - den eines jungen Mannes, der locker am letzten Wagen eines fahrenden Zuges hängt und in die Welt vor ihm blickt. Nicht ganz drinnen, nicht ganz draußen,
schwebend,
fliegend,
erwartungsvoll...







 
 
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Schiffchen
Schwierige Zeit, problembeladen. Möglichkeiten verenden; Kreativität scheint zu ersticken. Sorge. Dazu Winterwetter. Regen, nasse Kälte. Es beginnt früh zu dunkeln, Stadt und Menschen verschließen sich.

Ich fahre mit der U-Bahn durch Gelsenkirchen. Alltagsrauschen, gedeckt, gedämpft, trüb. Leute steigen schweigend ein und aus.

Plötzlich fällt mein Blick auf eine Haltestange direkt neben meinem Stehplatz. Auf ihrem oberen Knick liegt ganz ruhig ein kleines Schiff. Mitten in der U-Bahn. Wie aus einer anderen Welt gekommen! Es ist ein Papierschiffchen, gefaltet aus einem Fahrschein, einem Einzelticket. Ganz fein und sauber ist es gemacht, wie das Ideal eines Papierschiffchens.

Und ein Bild ist das, wie es da auf dem glatten Metallabschluss der Haltestange liegt. Ein Windhauch würde genügen, es von seinem Platz zu fegen. Aber es bleibt liegen. Die Bahn hält, fährt an, das Schiff bewegt sich ein wenig wie bei ganz leichtem Wellengang - und bleibt liegen.


Solange es Menschen gibt, fährt es mir durch den Kopf, die aus grauem Alltag heraus solche Dinge tun, etwas so schönes, kleines, anregendes - solange wird es auch weitergehen.


Der Mantelärmel einer vorbeigehenden Mitfahrerin wischt das Schiffchen von seinem Platz. Ich hebe es auf und stecke es ein. Danke.









 
 
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